Nordspanien im Herbst 2016
1.-2. September 2016, Sant Joan de les Abadesses
- Tavertet
- Ripoll
- Sant Joan de les Abadesses
Die zwei Tage in Tavertet sind wahrscheinlich so schnell nicht zu toppen. Aber ich fahre heute wieder etwas näher an die Pyrenäen heran, und auch dort gibt es viele schöne Ecken.
Es geht weiter durch das Tal des Río Ter seiner Quelle entgegen. Das erste Ziel ist der Ort Ripoll.
In Ripoll gibt es einen offiziellen Wohnmobil-Stellplatz neben dem Touristik-Zentrum am Ortsrand. Hier kann man passend zu dem an dieser Stelle beginnenden Vía-Verde-Radweg Elekro-Fahrräder mieten.
Ein kleines Restaurant direkt neben dem Stellplatz versorgt uns mit einem Mittagsmenü und perfektem Wifi.
Nach dem Mittagessen spazieren wir durch die Stadt, die überraschend viele Bars/Restaurants zu bieten hat, auf netten Plätzen oder in kleinen Gassen. Auch Banken gibt es jede Menge. Offensichtlich ist Ripoll doch sehr auf Touristen ausgerichtet.
Das touristische Highlight ist die Klosterkirche Santa Maria de Ripoll, deren berühmtes Portal leider nur zu bestimmten Öffnungszeiten zu bewundern ist. Wir stehen natürlich während der Siesta-Zeit vor verschlossenen Türen.
Nach dem Stadtrundgang geht es erst einmal ein paar Kilometer weiter im Tal des Río Ter bis zum Nachbarort Sant Joan de les Abadesses.
Auch hier gibt es einen offiziellen Wohnmobil-Stellplatz, und da die Lage dieses Stellplatzes deutlich besser ist als in Ripoll, ist schnell klar, das dies der heutige Übernachtungsplatz ist. Wir haben Glück und können uns auf den (unserer Meinung nach) besten Platz stellen.
Der Stellplatz in Sant Joan befindet sich direkt neben der Hauptattraktion des Ortes, der mittelalterlichen Brücke Pont Vell, über die man zu Fuß in wenigen Minuten im Zentrum ist.
Die Nacht verläuft ruhig, sogar die unvermeidlichen Kirchenglocken schweigen nachts (das sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht).
Das Wetter für den heutigen Tag verheißt Sonne. Wir bleiben in Sant Joan und machen eine Wanderung über den Vía-Verde Rad- und Wanderweg Ruta del Ferro i el Carbó, der von Ripoll kommend über Sant Joan de les Abadesses bis in das ehemalige Bergbau-Gebiet bei Ogassa führt.
Unterwegs folgen wir einem Wegweiser zu einem Wasserfall (Gorg de Malatosca) und entdecken ein richtiges, kleines Paradies in schattiger Umgebung.
Der restliche Weg ist weniger ereignisreich, wir lernen aber einiges über den Transport von Kohle und Erz, und dass dieser Vía-Verde eigentlich aus zwei Teilen besteht, die auf verschiedenen Ebenen liegen. Entsprechend gibt es ein sehr steiles Verbindungsstück, auf dem man bergauf wahrscheinlich das Fahrrad schieben muss, und bergab am besten auch.
Kurz vor Ogassa müssen wir, wie früher die Minen-Züge, einen kleinen Tunnel durchqueren, dann haben wir das Bergdorf erreicht.
Ogassa ist ein guter Ausgangspunkt für Bergwanderungen in die umgebende 2000-Meter-Bergwelt. Man könnte mit dem Wohnmobil bis hier hin fahren (ein geeigneter Parkplatz ist vorhanden) und von hier aus verschiedene Bergtouren starten. Vielleicht beim nächsten Mal...
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- Geschrieben von gg-iberico
3.-4. September 2016, Sant Llorenç de Morunys
- Sant Joan de les Abadesses
- Sant Llorenç de Morunys
Nachdem es im letzten Winter manchmal etwas stressig war, wenn ich fast jeden Tag auf Achse war, habe ich mir für diese Reise vorgenommen, im Normalfall zwei Tage an einem Übernachtungsplatz zu bleiben. Bis jetzt hat das ganz gut funktioniert.
Das nächste Etappenziel ist Sant Llorenç de Morunys, wo vor kurzem ein neuer Wohnmobil-Stellplatz eingerichtet wurde. Und auch dort will ich zwei Tage bleiben, um die Wander-Möglichkeiten in der Umgebung nutzen zu können.
Der Weg führt wieder über Ripoll und dann auf der C-26 nach Westen bis Berga. Bei dem dortigen Stausee finde ich ein schattiges Plätzchen für die Mittagspause in einer malerischen Landschaft.
Danach dauert es nicht mehr lange und Sant Llorenç de Morunys ist erreicht. Kurz vorher fahre ich an einer Gips-Fabrik der deutschen Firma Knauf vorbei, und nachdem ich auf dem Wohnmobil-Stellplatz stehe, stelle ich fest, dass genau diese Fabrik mitten im Blickfeld liegt und erheblich die Landschaft verschandelt.
Bei großer Hitze (eigentlich waren Wolken und etwas Regen gemeldet) machen wir einen Rundgang durch den Ort. Der Altstadtkern ist ein Netz von engen Gassen und Tordurchgängen. Hier gibt es sehr viel Schatten und angenehmere Temperaturen.
Die eher unscheinbare Kirche beherbergt zu meiner Überraschung einen äußerst prunkvollen Altarbereich.
Schließlich finden wir ganz in der Nähe vom Stellplatz eine Bar/Restaurant (El Jardí), wo wir unter großen Schatten spendenden Kastanien den restlichen Nachmittag verbringen.
Die große Hitze sorgt gegen Abend dann noch für ein kurzes aber kräftiges Gewitter, so dass der Wetterbericht schließlich doch Recht behält.
Die Nacht verläuft zumindest ab Mitternacht ruhig. Vorher waren während des ganzen Abends überraschend viele Mopeds im Ort unterwegs und verbreiteten den zugehörigen Krach.
Während des Frühstücks geht der Moped-Krach schon wieder los. Und da die Haupt-Lärmquelle direkt oberhalb des Stellplatzes ist, schaue ich nach.
Es sind keine übermütigen Jugendlichen, die sich hier treffen - es sind eher mittel-ältere bis ältere Männer, die sich hier für eine gemeinsame Ausfahrt mit ihren historischen Mopeds treffen.
Auch wir wollen heute etwas unternehmen und rüsten uns für eine Wanderung im Tal Vall de Lord, wo es hoffentlich einige schattige Streckenabschnitte gibt, denn es scheint wieder sehr heiß zu werden.
Der Weg führt uns über eine alte Steinbrücke aus dem 11. Jahrhundert (Pont de Vall-llonga) ....
.... und vorbei an einer Quelle, von der man sich offenbar Heilkräfte erwartet (Font de la Puda) ....
.... bis zu einer kleinen Kirche auf einem Felsvorsprung im Ortsteil La Pedra (Sant Sadurní) ....
In diesem Tal könnte man noch viel weiter wandern, aber so langsam wird es uns zu heiß und wir kehren zum Wohnmobil zurück.
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- Geschrieben von gg-iberico
5. September 2016, La Coma - Port del Comte
- Sant Llorenç de Morunys
- La Coma - Port del Comte
Nachdem gestern lautstarke Mopeds meine Aufmerksamkeit erregten, überrascht mich heute ein Kamel, das von oben auf das Wohnmobil herunter schaut. Ein kleiner Circus ist eingetroffen und hat ein paar Tiere mitgebracht. Offenbar ist in Sant Llorenç de Morunys immer irgend etwas los.
Wir verlassen heute aber den Ort und fahren auf kurviger Strecke durch das schöne Tal Vall de Lord in höhere Bergregionen um der auch für heute gemeldeten Hitze zu entgehen.
Nicht ganz zufällig befindet sich nur wenige Kilometer entfernt das Skigebiet Port del Comte in über 1700m Höhe, auf dessen großen Parkplätzen im vergangenen Winter eine Übernachtungsmöglichkeit für Wohnmobile eingerichtet wurde.
Zur Zeit werden noch Arbeiten zur Verschönerung des Stellplatzes mit einer Naturstein-Mauer durchgeführt, und was viel wichtiger ist - offensichtlich wird auch eine Ver- und Entsorgungsmöglichkeit geschaffen. Die Grundstruktur ist schon zu erkennen.
Auf den großen, leeren Parkplätzen kommt man sich jetzt in der Nebensaison etwas verloren vor, aber die Aussicht ist sehr schön, und richtig ruhig ist es hier auch. Für den einen oder anderen vielleicht zu einsam.
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- Geschrieben von gg-iberico
6. September 2016, Vall de Boí
- La Coma - Port del Comte
- Tremp
- La Pobla de Segur
- Vall de Boí - Barruera
Die Höhe von über 1700m bringt nachts die erhoffte Abkühlung auf unter 15°C. Und die absolute Ruhe sorgt dafür, dass wir morgens ausgeschlafen aufstehen und für unsere Verhältnisse schon früh den neuen Tag beginnen.
Immerhin habe ich für heute eine Etappe von etwa 180 km vorgesehen. Das wäre schon unter normalen Bedingungen sehr viel für eine Tagestour, aber ich beabsichtige quer zu den Haupttälern der Pyrenäen auf Nebenstraßen zu fahren, mit viel Kurbelei in engen Kurven, bergauf und bergab.
Der Grund für diese "Gewalttour" ist die immer noch vorherrschende Hitze mit Tagestemperaturen von weit über 30°C. Auch für heute ist im "Flachland" bis zu 34°C gemeldet. Deshalb werde ich wieder in die Berge fliehen.
Der Weg verläuft zuerst von Port del Comte auf der L-401 und der L-511 durch eine grandiose Landschaft über mehrere kleine Pässe. Diese Strecke fahre ich zum ersten Mal und ich bin total begeistert von der abwechslungsreichen Landschaft. Allerdings ist etwas Mut und Ausdauer gefragt, wenn man hier mit einem Wohnmobil fährt. Es ist wohl eher eine ideale Motorrad-Strecke.
Schließlich erreiche ich den Ort Tremp. Hier gibt es einen Wohnmobil-Stellplatz, der zum Übernachten gut geeignet wäre. Aber leider ist es heute viel zu heiß, auf dem schattenlosen Stellplatz liegt eine richtige Gluthitze. Ich mache nur schnell ein paar Fotos, dann geht es im einigermaßen klimatisierten Wohnmobil zum nächsten Ort.
La Pobla de Segur ist nur wenige Kilometer von Tremp entfernt, und entsprechend ist es dort genau so unangenehm heiß. Schade eigentlich, denn auch dieser Ort bietet einen ganz brauchbaren Wohnmobil-Stellplatz.
Ich fahre weiter und bin nun auf der N-260, der sogenannten Eje Pirenaico (Pyrenäen-Achse), die entlang des Pyrenäen-Massivs in Ost-West-Richtung verläuft. Trotz ihrer besonderen Bedeutung ist auch diese Straße eher schmal und kurvig.
Aber irgendwann gibt es den ersten Blick auf die ganz hohen Pyrenäen-Gipfel, sogar Schneereste sind noch zu sehen.
Das heißt, das Tagesziel ist fast erreicht. Hinter El Pont de Suert biege ich ab in das Tal Vall de Boí.
Auf dem Stellplatz im Ortsteil Barruera finde ich noch einen Platz im Schatten der großen Bäume. Und die Höhenlage von etwa 1100m wird hoffentlich nachts wieder etwas Abkühlung bringen.
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- Geschrieben von gg-iberico
7. September 2016, Vall de Boí
- Vall de Boí
- Parc Nacional d'Aigüestortes
Heute ist das Wetter perfekt für den geplanten Besuch im Pyrenäen-Nationalpark Aigüestortes. Strahlend blauer Himmel soll uns den ganzen Tag begleiten. Keine Selbstverständlichkeit in den Pyrenäen!
Der Besuch im Nationalpark ist streng geregelt. Mit einem privaten Auto oder gar mit dem Wohnmobil kommt man nicht hinein. Aber es gibt einen Taxi-Dienst, der die Besucher ein gutes Stück in den Nationalpark hineinbringt. Von dort aus kann man dann verschiedene Wanderungen machen.
Anmerkung: man kann auch ohne Taxi den Nationalpark besuchen. Dann muss man das Wohnmobil auf einem Parkplatz an der L-500 abstellen (GPS: 42.5427, 0.8385) und etwa 2½ Stunden bis zu der Stelle laufen, wo sonst die Taxi-Fahrt endet. Dabei müssen 500 Höhenmeter überwunden werden. Man spart damit 10 € pro Person (Hin- und Rückfahrt).
Die Sammeltaxis (9-sitzige Kleinbusse) starten im Ort Boí. Direkt nebenan befindet sich ein großer Parkplatz, wo ich das Wohnmobil abstelle.
Die Taxifahrt dauert etwa 20 Minuten und ist schon das erste Abenteuer, denn die Straße ist sehr schmal, und ab und zu kommen auch andere Taxis entgegen. Aber schließlich erreichen wir das Ziel - eine Info-Station für den Nationalpark. Hier befindet man sich auf 1800m Höhe.
Die übliche Wanderung geht auf einem recht einfachen Weg in etwa 1½ Stunden zu einem Bergsee (Estany Llong) auf 2000m Höhe. Das klassische Ansichtskarten-Motiv - und in Natura sieht es noch viel besser aus.
Für viele Besucher ist hier der Umkehrpunkt, ich möchte aber noch etwas höher klettern.
Da bietet sich der Aussichtspunkt beim Portarró d'Espot an - ein Pass auf dem Weg quer durch den Nationalpark.
Das Wandern fällt jetzt nicht mehr so leicht - es gibt viel Geröll auf der Strecke, und es geht noch einmal richtig hoch. Am Ende werden es 2500m sein.
Nach insgesamt 3 Stunden erreichen wir den Pass. Der Ausblick auf die "andere Seite" des Nationalparks ist beeindruckend. Es ist ein schönes Gefühl, hier zu stehen.
Vor dem Rückweg gibt es erst noch eine ausgiebige Rast, bevor wir dann in etwas mehr als 2 Stunden den Taxistand wieder erreichen.
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- Geschrieben von gg-iberico
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